Horcht wer kommt von draußen rein, da muss wohl jemand einsam sein.

Im Fernsehen lief einer der zahlreichen Rückblicke auf das Jahr 2013.

Tränen, Freude, Bilder aus fernen und nahen Welten, akzeptable Live-Acts und ein schlechter Moderator – das war’s also, unser 2013.

Mit aufmerksamen Augen folgte ich der gespielten Euphorie über das baldige Ende des alten Jahres.

Als es an der Tür klingelte, schreckte ich unversehens auf. Ich wusste, dass keiner meine Freunde unerwartet vor meiner Tür stehen würde. Unangekündigte Besuche standen auf meiner „Bitte-lass-das-Liste“ ganz oben. … More Horcht wer kommt von draußen rein, da muss wohl jemand einsam sein.

Das Jahr 2013 gibt sich die Ehre. Oldies but Oldies.

Da wir nun wieder ein Jahr irgendwie rumbekommen haben, schmeiß’ ich mal drei alte Einträge aus den letzten zwei Jahren auf den Teller.

Nächtliche Gedanken stehen nun mal nicht auf Riesenräder.

„Wir geben nochmal Vollgas!“ Die Stimme des Schaustellers schallt über die Kirmes. Eine Gruppe von Gedanken sind anscheinend gut dabei und applaudieren ihm triumphierend: „Yehaaaa wir wollen noch eine Runde nächtliches Gedankenkarussell fahren!“
Während Gedanke Angst bitterlich zu weinen und betteln beginnt: „Uhh, das ist mir doch zu schnell hier, ich möchte aussteigen.“ Grölt hinten dran, auf einem rosa Pony Gedanke Gleichgültigkeit: „Du Weichei, voll geil hier. Stell dich nicht so an, ist doch alles super.“ Der Karussell-Betreiber spornt die Gedanken an: „Ich glaub wir bringen noch ein bisschen Schwung in die Kiste!“ und wirft währenddessen Gedanken Rache auf das Karussell. … More Das Jahr 2013 gibt sich die Ehre. Oldies but Oldies.

Wo Märchen noch Träume haben

Es war einmal und ist noch immer – ein Fleckchen Erde im Irgendwo und stets im Nirgendwo – an dem die Zeit, wer hätte es gedacht, niemals still stand.

Der Wald, der seine Wurzeln in jenes besagte Fleckchen Erde krallte und, der durch diese Beharrlichkeit seine Existenz sicherte, nahm kaum Notiz an seiner treuen Besucherin. An einem durchaus beliebig ausgewähltem Baum lehnte eine junge Frau, die ein umschlagloses Buch fest umklammerte. Ihre Augen waren unerlässlich auf die abgegriffenen Seiten gerichtet. Jeder Satz und jede Zeile wurde gelesen – einmal, zweimal, dreimal.

Sie las all die Worte, die nicht ihre eigenen waren, und die sich dennoch so perfekt in ihr Leben fädelten als wären sie just in diesem Moment ihrer Seele entsprungen. … More Wo Märchen noch Träume haben

Der frühe Vogel kommt heut nicht – Zug entfällt.

Wer schon einmal die Freude oder das Ärgernis hatte mit der Bahn zu fahren, ist sich der Risiken und der Abenteuer, einen Platz zu finden, bewusst. Die Mentalität der Deutschen, einen Sitz als Eigentum zu markieren, sei es in Form von Handtüchern, Rucksäcken, Büchern, Brötchen oder bösen Blicken, geht Hand in Hand mit den Bildern der weißen Socken in Sandalen, Anglerwesten und Sätzen wie „Sieh mal Schatz, hier gibt es auch einen McDonalds.“ Dass die persönliche Distanzzone bei drei Metern Radius komfortabel sein kann, sehe ich ein. … More Der frühe Vogel kommt heut nicht – Zug entfällt.

Für Lisa.

Die Nacht legte sich dunkel über die verlassenen Straßen der Kölner Altstadt. Es war nicht allzu lange her, dass der Herbst sich die Ehre gegeben und der Winter mit all seiner weißen Grausamkeit Einzug gehalten hatte.

Ein schlafender Obdachloser drehte sich in seinem zugigen Versteck das letzte Mal um, bevor der Frost ihm den letzten Atem nahm.
Die kalte Luft, die die Stadt wie eine dicke Daunendecke umgab, ließ die Schornsteine qualmen. Der weiße Rauch, der eine wohlige Wärme in den Wohnstuben erahnen ließ, zog hinauf in den sternenbedeckten Himmel.
In den Fenstern war es dunkel – nur in einem kleinen Dachfenster flackerte die Flamme eines Kerzenstümmels. … More Für Lisa.

Eine kleine Geschichte des Kinobesuchs

An der Kasse des Kinos wird die Schlange langsam ungeduldig. Das leise angespannte Zischen der Glieder erwächst zu einem lauten Grummeln. Ganz hinten, am Schwanze der Schlange, wartet eine kleine Eidechse sehnsüchtig auf ihre Karte. In ihren Händen klimpert sie mit Münzen – es ist ihr gespartes Taschengeld der letzten drei Wochen. Aber sie ist sich sicher, dass das Ausharren sich bezahlt machen wird. Wochen- und Nächtelang träumte sie von diesem Moment, von der Fortsetzung, von dem filmischen Highlight des Jahres. … More Eine kleine Geschichte des Kinobesuchs